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Italien

Chianti DOCG

Chianti DOCG

Chianti DOCG - Beschreibung

DOCG-Bereich für Rotwein in der italienischen Region Toskana. Wenn man zehn Personen nach dem bekanntesten Wein Italiens fragt, bekommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit von zumindest acht die Antwort „Chianti“. Der Wein ist nach der Hügellandschaft zwischen Florenz und Siena benannt. Vermutlich ist die Bezeichnung aus dem Namen einer etruskischen Familie entstanden. Die erste Erwähnung eines Chianti-Weines stammt aus dem Jahre 1404, als ein gewisser Francesco Datini – ein Kaufmann aus Prato – in Vignamaggio einen Weißwein kaufte. Ursprünglich galt Chianti nur für die Gebiete um Radda, Gaiole und Castellina in der Provinz Siena im Süden des heutigen Chianti-Classico-Bereiches. Die Feudalherren des Chianti-Bundes besaßen dort schon im 13. Jahrhundert Weinberge.

Über die Entstehung der alten Grenzen gibt es eine schöne Legende. Die verfeindeten Bürger der Stadtstaaten Siena und Florenz wollten ihre ewigen Grenzstreitigkeiten beenden und durch einen Wettkampf die Einflussbereiche festlegen. Beim ersten Hahnenschrei sollten zwei Reiter - einer von Siena, einer von Florenz - aufbrechen. Wo sie aufeinandertreffen würden, sollte die endgültige Grenze zwischen den beiden Städten sein. Die Sienesen besaßen einen weißen Hahn, den sie so sehr fütterten, dass dieser fett und faul wurde und lange schlief. Die Florentiner hingegen hatten einen schwarzen Hahn, den sie hungern ließen, sodass dieser sehr früh zu krähen begann. Deshalb konnte ihr Reiter viel früher starten und traf 15 Kilometer vor Siena beim Ort Fonterutoli auf seinen Gegner. Damit erhielt Florenz einen großen Teil des Chianti-Gebietes. Das Wahrzeichen von Chianti-Classico ist Gallo nero (schwarzer Hahn) und erinnert an diese vielleicht nicht ganz wahrheitsgetreue Geschichte.

Ein roter Chianti wurde bereits im frühen Mittelalter produziert, die verwendeten Rebsorten haben sich aber ganz sicher geändert und wurden damals auch nicht so rigoros vorgegeben bzw. mangels Kontrolle auch nicht befolgt. Wahrscheinlich stellte jeder Winzer seinen Chianti gemäß den in seinem Weinberg vorhandenen Sorten her. Nach einer Dokumentation aus dem Jahre 1773 bestand der damalige Chianti zum großen Teil aus Canaiolo Nero mit kleineren Anteilen von Sangiovese, Mammolo und Marzemino, also durchwegs roten Sorten. Doch es werden auch die weißen Sorten „Tribbiano und San Colombano” erwähnt (eine Trebbiano-Sorte und die Verdea). Der legendäre Baron Bettino Ricasoli (1809-1880) führte ab 1850 zahlreiche Versuche durch, um ein optimales Rezept zu finden. In einem Brief aus dem Jahre 1872 fasste er das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Experimente zusammen.

Baron Ricasoli empfahl Sangiovese als bestimmende Hauptrebsorte (75%, für Aroma und Kraft) und zur Milderung Canaiolo Nero (15%). Die weiße Malvasia del Chianti (Malvasia Bianca Lunga) wurde für jung genussreife Weine als Zusatz vorgeschlagen, jedoch ausdrücklich für länger lagerfähige davon abgeraten. Die weiße Trebbiano Toscano wurde in seinem Rezept nicht berücksichtigt, sondern kam erst später dazu (bis 10%). Weiters waren auch noch andere Sorten (bis 5%) erlaubt. Aber noch bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde von den meisten Winzern weiterhin das alte Rezept mit hohem Anteil an Canaiolo Nero verwendet. Die von Ricasoli vorgeschlagenen Empfehlungen setzten sich bei den traditionsbewussten Weingütern nur sehr langsam durch.

Die Chianti-Weinberge haben sich in gewaltigem Umfang nach allen Richtungen ausgedehnt. Dies erfolgte nach Norden bis über Greve und San Casciano, nach Osten durch die Florentiner Berge bis Arezzo, nach Süden bis weit hinaus über Siena und nach Westen bis Pisa ganz nahe der tyrrhenischen Küste. Das Großherzogtum Toskana unter Cosimo III. (1642-1723) aus dem Geschlecht der Medici definierte bereits 1716 eine der ersten geschützten Herkunfts-Bezeichnungen für Weinbaugebiete. Dies betraf Carmignano, Chianti, Pomino und Val d’Arno di Sopra. Per Dekret wurden die Grenzen festgelegt und verboten, dass Weine aus anderen Bereichen so genannt werden. Das erscheint heute als selbstverständlich, war aber damals eine bahnbrechende Erneuerung. Das in der Zwischenzeit weiter gewachsene heutige Chianti-Gebiet ist aber kein geschlossener Bereich, sondern überschneidet sich mit vielen anderen DOC-Zonen, bzw, darf auch in anderen DOC-Zonen ein Chianti produziert werden. Dies sind Carmignano, Montalcino, Montepulciano, Pomino, Val d’Arbia, Valdichiana Toscana und Vernaccia di San Gimignano.

Das heutige gesamte Chianti-Gebiet (also die beiden Bereiche Chianti und Chianti-Classico) umfasst Rebflächen in den sechs Provinzen Arezzo, Florenz, Pisa, Pistoia, Prato und Siena mit rund 7.000 Produzenten in über 100 Gemeinden. Die Gesamtrebfläche beträgt rund 24.000 Hektar, davon 7.000 Hektar für den als qualitativ besten geltenden Bereich Chianti-Classico. Darüber hinaus gibt es noch eine engere Herkunfts-Bezeichnung innerhalb des Bereiches mit sieben Subzonen, die am Etikett angeführt werden dürfen. Dies sind Chianti Colli Aretini um Arezzo, Chianti Colli Fiorentini um Florenz, Chianti Colline Pisane um Pisa, Chianti Colli Senesi um Siena, Chianti Montalbano um Carmignano, Chianti Montespertoli (erst seit 1997) und Chianti Rufina um Pontassieve. Als beste gelten Rufina, Colli Senesi und Colli Fiorentini. Alle anderen Weine aus den Randzonen werden einfach als Chianti bezeichnet. Beide erhielten 1967 die DOC- und 1984 die DOCG-Klassifikation.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Chianti schließlich zum in die typischen, mit Bast umwickelten Fiasco-Flaschen abgefüllten Massenwein und in großen Mengen exportiert. Die DOC-Klassifizierung 1967 sah im Wesentlichen noch das Ricasoli-Rezept vor, in dem bis zu 30% weiße Sorten erlaubt waren. Auch der Ertrag von 80 hl/ha und der Mindest-Extraktgehalt war noch sehr großzügig. Der DOCG-Status war mit großen Veränderungen verbunden. Die weißen Sorten Trebbiano Toscano und Malvasia del Chianti waren nicht mehr zwingend vorgesehen, sondern wurden alternativ auf maximal 10% beim Chianti bzw. 6% beim Chianti Classico beschränkt. Außerdem wurde der Hektarertrag stark reduziert und das Alter der Rebstöcke für DOCG-Chiantis auf zumindest fünf Jahre festgelegt. Dadurch ergaben sich bedeutende Qualitäts-Verbesserungen, die sich vor allem auf die Lagerfähigkeit der Weine auswirkten. Weiters wurden bis zu 10% andere rote Rebsorten erlaubt, das waren vor allem Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah. Auch der Barrique-Ausbau wurde gestattet, der aber noch zum Großteil mit wesentlich größeren Fässern erfolgt (bis 100 hl). Dadurch wandelte sich der herbe Stil des eher hellroten Chianti zu einem dunklen, tanninreichen und lagerfähigen Rotwein, der von Spitzen-Produzenten zu den besten Italiens gehört.

Eine Änderung der Bestimmungen erfolgte im Jahre 1996 mit zum Teil unterschiedlichen Vorschriften für Chianti und Chianti-Classico (für Zweiteren siehe dort die letztgültigen Bestimmungen). Für den Chianti sind die Vorgaben per Subzone bezüglich Hektarertrag, Alkoholgehalt und Säuregrad etwas unterschiedlich. Die Vermarktung darf grundsätzlich frühestens am 1. März des auf die Ernte folgenden Jahres erfolgen. Die vorgeschriebene Rebsortenmischung ist zumindest 75 bis 100% Sangiovese, maximal 10% Canaiolo Nero, maximal 10% andere zugelassene rote Rebsorten, sowie maximal 10% die weißen Sorten Trebbiano Toscano und/oder Malvasia del Chianti. Der Höchstertrag beträgt 9.000 kg je Hektar für den normalen Chianti und 8.000 kg je Hektar für die sieben Subzonen.

Der Gehalt an Restzucker darf maximal 4 g/l betragen. Der Mindest-Alkoholgehalt beträgt für den normalen Chianti und die Subzonen Colli Aretini, Colli Senesi, Colline Pisane und Montalbano 11,5% vol; für die Subzonen Colli Fiorentini, Rufina und Montespertoli sowie den Superiore 12% vol. Für den Riserva gelten ebenfalls 12% vol, sowie für sechs Subzonen außer Montespertoli 12,5% vol. Der Riserva muss zumindest zwei Jahre reifen, davon zumindest drei Monate in der Flasche. Im gesamten Chianti-Gebiet werden jährlich rund 100 Millionen Liter Wein produziert, der Anteil des Chianti-Classico beträgt rund ein Viertel. Die früher weit verbreitete Technik des Governo wird nur mehr selten angewendet. Um den Produzenten die Möglichkeit zu geben, auch andere DOC-Weine zu erzeugen, wurden die beiden Bezeichnungen Colli dell’Etruria Centrale und Vin Santo del Chianti geschaffen.
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