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Frankreich

Médoc AOC

Médoc AOC

Médoc AOC - Beschreibung

Dieser berühmte Weinbaubereich zählt zur französischen Region Bordeaux; der Name bedeutet „mittleres Land“. Er liegt nordwestlich der Stadt Bordeaux auf der dreiecksförmigen Halbinsel zwischen dem durch Zusammenfluss von Garonne und Dordogne gebildeten Mündungstrichter Gironde und dem Atlantischen Ozean. Der rund 70 Kilometer lange und 5 bis 12 Kilometer breite von vielen Weinbergen landschaftlich dominierte Streifen wird fallweise unterbrochen von Weideland, Gestrüpp und Poldern (Überschwemmungsgebiet). Der Bereich ist in zwei regionale (Bas-Médoc und Haut-Médoc) und in sechs innerhalb von Haut-Medoc liegende kommunale Appellationen mit rund 16.000 Hektar Rebfläche gegliedert. Médoc ist wohl die berühmteste Appellation des Bordelais und auch eines der bedeutendsten und besten Rotweingebiete Frankreichs und der Welt.

Karte von Bordeaux - Appellationen
Von Domenico-de-ga aus der Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link
Veränderungen vom Original durch Norbert Tischelmayer 2017

Historie

Der Weinbau kam erst relativ spät in dieses Gebiet. Im 17. Jahrhundert wurden unter Anleitung holländischer Damm- und Wasserbau-Spezialisten Küsten begradigt, sumpfige Bodenflächen entwässert und Bäche reguliert. Deshalb hieß das Gebiet lange Zeit „La Petite Hollande“. Später wurden dann viele Weingärten angelegt bzw. kleine Flächen erworben und zu größeren Gütern zusammengefasst, unter anderem von der berühmten Familie Ségur. Médoc hat besonders gute Voraussetzungen für den Weinbau. Das sind das milde Kima, der an vielen Stellen vorhandene sehr karge und tiefe Kiesboden, der die Rebstöcke zwingt, ihre Wurzeln in die Tiefe zu treiben, sowie der gute Wasserabzug im Boden. Trotz der unmittelbaren Nähe zum Atlantik ist das Klima nicht feucht, denn die vielen Kieferwälder schirmen gegen Winde und Regen aus dem Westen hervorragend ab.

Appellationen

Médoc teilt sich in den nördlichen Bereich Bas-Médoc (zumeist etwas verwirrend als Médoc bezeichnet, weil es sich das ja nicht auf den gesamten Bereich bezieht) mit 5.600 Hektar und den südlichen Bereich Haut-Médoc mit 4.600 Hektar Rebfläche (die Größen beziehen sich auf die beiden Appellationen ohne die sechs unten angeführten Gemeinden). Die Grenze verläuft bei Saint-Seurin-de-Cadourne nördlich der Gemeinde Saint-Estèphe. Haut-Médoc beginnt an der südlichen Gemeinde-Ecke von Blanquefort, die die nördliche Grenze zum Bereich Graves bildet. Beide Bereiche haben auch Anspruch auf eine eigene Appellation. Sie unterscheiden sich durch recht unterschiedliche Bodentypen. In Haut-Médoc sind die Weine durch den hier besonders kieshaltigen Boden etwas höher einzustufen und haben im Allgemeinen mehr Rasse und Finesse. Die sechs berühmten Gemeinden Margaux, Moulis, Listrac-Médoc, Pauillac, Saint-Estèphe und Saint-Julien bilden innerhalb Haut-Médoc eigene Appellationen.

Die Weine aus den anderen Gemeinden tragen die Herkunft „Haut-Médoc“, die Weine aus Bas-Médoc schlicht „Médoc“ oder selten „Bas-Médoc“. Sie werden aus den typischen Rebsorten im Bordeaux-Verschnitt hergestellt, wobei im Haut-Médoc eher Cabernet Sauvignon, im Bas-Médoc eher Merlot dominiert. Der Rebsortenmix unterscheidet sich aber vor allem dadurch, ob man sich am Rive droite (rechten Ufer) oder Rive gauche (linken Ufer) von Garonne/Dordogne bzw. Gironde befindet. Die weniger bedeutenden Weißweine werden vor allem aus Sauvignon Blanc gekeltert. Typisch für den Médoc sind die zahlreichen großartigen Châteaux, die diese Bezeichnung (als „Schloss“) auch aus architektonischer Hinsicht verdienen. Das ist aber kein Qualitätsmerkmal, denn es gibt auch Weingüter mit ganz einfachen Gebäuden, wo großartige Weine produziert werden.

Bordeaux-Klassifizierung

Im Jahre 1855 erfolgte die berühmte Bordeaux-Klassifizierung (die Ursache bzw. der Ablauf ist in diesem Stichwort ausfürhlich beschrieben). Aus insgesamt 4.000 Châteaux bzw. Rotweinen wurden nur 61 (das ist die Anzahl aus heutiger Sicht, siehe dann weiter unten) für würdig befunden, in die Liste aufgenommen zu werden. Mit der einzigen Ausnahme des Château Haut-Brion aus dem Bereich Graves sind nur Châteaux aus dem Médoc enthalten. Die offizielle Präsentation erfolgte mit großem Pomp am 18. April 1855. Die Châteaux wurden in fünf Klassen gruppiert. Innerhalb dieser fünf Klassen erfolgte auf Grund des erzielten Durchschnitts-Preises der Weine eine Ordnung in absteigender Reihenfolge. In der Liste ganz oben stand das Château Lafite-Rothschild.

Die damalige Reihung ist in der Tabelle unten angeführt. Die Klasse ist heute auf dem Flaschenetikett eher selten enthalten, sondern oft nur der Text „Grand Cru Classé en 1855“ angegeben. Die weniger bekannten Deuxièmes weisen aber sehr wohl oft auf ihren Status hin, um damit zu renommieren. Auch Baron Philippe de Rothschild ließ es sich im Jahre 1973 nicht nehmen, die Erhöhung in den ersten Rang mit dem berühmten Zitat „Premier je suis, Second je fus, Mouton ne change“ (Erster bin ich, Zweiter war ich, Mouton ändert sich nicht) auf dem von Pablo Picasso (1881-1973) gestalteten Etikett zu dokumentieren. Vor allem die „nur“ als vierte und fünfte Crus klassifizierten Châteaux lassen das in der Regel weg, um nicht ihren „niedrigen“ Rang zu offensichtlich zu machen.

Bis heute gab es erstaunlicherweise nur zwei Änderungen der im April 1855 veröffentlichten Liste. Die wohlbekannte ist die Umreihung des Château Mouton-Rothschild. Nach jahrzehntelangem Kampf von Philippe de Rothschild (1902-1988) wurde es vom zweiten in den ersten Rang umgereiht. Die offizielle Urkunde wurde übrigens vom damaligen Landwirtschaftsminister Jacques Chirac (geb. 1932) unterschrieben, dem späteren französischen Präsidenten. Weiters wurde entschieden, dass die Nennung der nunmehr fünf Premier Crus keine Rangfolge darstellt, sondern nach dem Alphabet erfolgt. Allerdings mit einer Ausnahme: Château Haut-Brion wird als einziges Nicht-Médoc-Weingut stets an letzter Stelle genannt. Die weniger bekannte Änderung ist die vom vermutlich „vergessenen“ Château Cantemerle. Dieses Gut war auf der im April veröffentlichten Liste noch gar nicht enthalten und wurde erst im Dezember nachträglich am Ende hinzugefügt.

Gegenüber 1855 gab es aber bis heute andere zum Teil beträchtliche Änderungen. Die meisten Châteaux haben sich nämlich im Laufe der Zeit von der Rebflächenbestockung und von der Größe her geändert. Es gab zum Teil beträchtlichen Zuwachs. Im Gegensatz zum Beispiel zur Klassifizierung in Saint-Émilion können sich die Grenzen der Médoc-Weingüter verändern, ohne dass dies einen Einfluss auf die Rangstufe hat. Als einzige Vorgabe gilt, dass sich die Flächen innerhalb der Appellation befinden müssen. Was hier zählt, ist also das Renommee des Weinguts und nicht die Qualität der Lage bzw. Rebflächen. Der Name des Weingutes gilt sozusagen als unveränderliches Qualitätsmerkmal und Markenzeichen.

Über die Anzahl von „61 klassifizierten Châteaux“ gibt es manchmal Unklarheiten, denn in der Originalliste von 1855 stehen nur 59 Namen. Der Grund für den Unterschied sind Besitz-Teilungen und die Auflassung eines Gutes. Das ehemalige Chateau Léoville war zwar schon 1826 dreigeteilt worden, wurde aber als ein Weingut bewertet. Die zwei Châteaux Pichon-Longueville und Batailley wurden erst nach 1855 zweigeteilt, sie sind also jeweils nur einmal enthalten. Und das Château Dubignon gibt es nicht mehr, die Rebflächen wanderten zu Château Malescot Saint-Exupéry, Château Margaux und Château Palmer. Außerdem gab es auch einige Namensänderungen.

Lediglich zwei der 1855 klassifizierten Weingüter befinden sich heute noch im Besitz derselben Familie wie damals, das sind Château Langoa-Barton und Château Mouton-Rothschild. Die 61 Châteaux umfassen heute rund 3.000 Hektar Rebfläche mit etwa 20% der Médoc-Produktion. Die fünf Premier-Cru-Classé-Güter sind „Nationales Kulturgut“ und dürfen nicht an Ausländer verkauft werden; ein eventueller Erwerber muss Franzose sein. In der Spalte „R“ die Reihenfolge in der Originalliste und unter „Name 1855“ die damaligen Namen:

NAME DES CHÂTEAU

R

NAME 1855

GEMEINDE

Premier Cru Classé (5)

     
Château Lafite-Rothschild 1 Lafite Pauillac
Château Latour 3 Latour Pauillac
Château Margaux 2 Margaux Margaux
Château Mouton-Rothschild - Mouton - war 1. bei Deux. Pauillac
Château Haut-Brion (Ausnahme, s.o.) 4 Haut Brion Pessac-Léognan

Deuxième Cru Classé (14)

     
Château Brane-Cantenac 8 Brane-Cantenac Cantenac-Margaux
Château Cos d’Estournel 11 Cos Destournel Saint-Estèphe
Château Ducru-Beaucaillou 10 Ducru Beau Caillou Saint-Julien
Château Durfort-Vivens 5 Durfort Margaux
Château Gruaud-Larose 6 Gruaud-Laroze Saint-Julien
Château Lascombes 7 Lascombe Margaux
Château Léoville-Barton 4 Léoville - als 1 WG bew. Saint-Julien
Château Léoville-Las-Cases 4 Léoville - als 1 WG bew. Saint-Julien
Château Léoville-Poyferré 4 Léoville - als 1 WG bew. Saint-Julien
Château Montrose 12 Montrose Saint-Estèphe
Château Pichon-Longueville Baron 9 Pichon Longueville - war 1 Pauillac
Château Pichon-Longueville Comtesse 9 Pichon Longueville - war 1 Pauillac
Château Rauzan-Gassies 3 Rauzan-Gassies Margaux
Château Rauzan-Ségla 2 Rauzan-Ségla Margaux

Troisième Cru Classé (14)

     
Château Boyd-Cantenac 7 Boyd-Cantenac Cantenac-Margaux
Château Calon-Ségur 12 Calon Saint-Estèphe
Château Cantenac Brown 7 Cantenac Brown Cantenac-Margaux
Château d’Issan 2 d’Issan Margaux
Château Desmirail 10 Desmirail Margaux
Château Ferrière 13 Ferrière Margaux
Château Giscours 5 Giscours Labarde-Margaux
Château Kirwan 1 Kirwan Cantenac-Margaux
Château Lagrange 3 Lagrange Saint-Julien
Château La Lagune 9 Lalagune Ludon
Château Langoa-Barton 4 Langoa Saint-Julien
Château Malescot Saint-Exupéry 6 Saint-Exupéry Margaux
Château Marquis d’Alesme-Becker 14 Becker Soussans-Margaux
Château Palmer 8 Palmer Margaux
Gibt es nicht mehr 11 Dubignon Margaux

Quatrième Cru Classé (10)

     
Château Beychevelle 9 Ch. de Beychevele Saint-Julien
Château Branaire-Ducru 4 Branaire Saint-Julien
Château Duhart-Milon-Rothschild 5 Duhart Pauillac
Château La Tour-Carnet 7 Carnet Saint-Laurent
Château Lafon-Rochet 8 Rochet Saint-Estèphe
Château Marquis-de-Terme 11 Marquis de Termes Margaux
Château Pouget 6 Pouget-Lassale Cantenac-Margaux
Château Prieuré-Lichine 10 Le Prieuré Cantenac-Margaux
Château Saint-Pierre 1 Saint-Pierre Saint-Julien
Château Talbot 2 Talbot Saint-Julien

Cinquième Cru Classé (18)

     
Château Batailley 2 Batailley - heute 2 WG Pauillac
Château Belgrave 12 Coutenceau Saint-Laurent
Château Cantemerle 17 Cantemerle - Schlusslicht Macau
Château Clerc Milon 15 Clerc Milon Pauillac
Château Cos Labory 14 Cos Labory Saint-Estèphe
Château Croizet-Bages 16 Croizet-Bages Pauillac
Château d’Armailhac 8 Darmailhac Pauillac
Château Dauzac 7 Dauzac Labarde-Margaux
Château de Camensac 13 Camensac Saint-Laurent
Château du Tertre 9 La Tertre Arsac-Margaux
Château Grand-Puy Ducasse 4 Artigues-Arnaud Pauillac
Château Grand-Puy-Lacoste 3 Grand Puy Pauillac
Château Haut-Bages-Libéral 10 Haut Bages Pauillac
Château Haut-Batailley 2 Batailley - heute 2 WG Pauillac
Château Lynch-Bages 5 Lynch Pauillac
Château Lynch-Moussas 6 Lynch Moussas Pauillac
Château Pédesclaux 11 Pédesclaux Pauillac
Château Pontet-Canet 1 Canet Pauillac

Super-Seconds

Mit dem inoffiziellen Begriff „Super-Seconds“ werden ohne weinrechtliche Bedeutung jene Deuxièmes-Châteaux bezeichnet, die auf Grund überragender Weinqualitäten nahe oder auf Premier-Cru-Niveau sind. Bei einer neuen Klassifizierung würden diese ganz vorne landen. Über die Liste sind sich die Experten nicht einig, folgende werden aber häufig genannt: Cos-d’Estournel, Ducru-Beaucaillou, Gruaud-Larose, Léoville-Las-Cases, Montrose, Pichon-Longueville Comtesse, Pichon-Longueville Baron und Rauzan-Ségla. Viele Experten meinen auch, dass die Cinquième-Châteaux (5.) Grand-Puy-Lacoste und Lynch-Bages, sowie das Troisième-Château (3.) Palmer den 2. Rang verdienen würden. Siehe eine Aufstellung verschiedener Klassifikations-Systeme unter dem Stichwort Grand Cru. Das EU-weit gültige Klassifikationssystem ist unter dem Stichwort Qualitätssystem beschrieben.

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