Moldawien

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Der heutige Staat ist 1991 durch den Zerfall der UdSSR entstanden. Seine geographischen Wurzeln liegen in der historischen Landschaft Bessarabien (siehe dort die Historie). Durch zahlreiche archäologische Funde wie Amphoren und Traubenkerne ist belegt, dass hier bereits seit über 5.000 Jahren Weinbau betrieben wurde. Im Norden, Osten und Süden wird der Staat von der Ukraine umschlossen. Im Westen grenzt er an Rumänien, dessen Einfluss durch die lange gemeinsame Geschichte im Weinbau zu verspüren ist. Durch die Fürsten von Moldau wurde im Mittelalter eine eigene Weinkultur begründet. Diese brach jedoch ab Anfang des 16. Jahrhunderts unter der 300-jährigen osmanischen Herrschaft und dem damit verbundenen Alkoholverbot wieder zusammen.

Nach dem russisch-türkischen Krieg wurde der Weinbau ab dem Jahre 1812 wieder reaktiviert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele französische Rebsorten eingeführt. Der Weinbau erlitt aber dann gegen Ende des 20. Jahrhunderts durch die Reblauskatastrophe neuerlich schwerste Rückschläge bzw. Einbußen. Nach einer kurzen Erholung wurde durch die beiden Weltkriege ein Großteil der Weingärten und Weinkellereien zerstört. Der Wiederaufbau begann in den 1950er-Jahren. Innerhalb von zehn Jahren wurden 150.000 Hektar angepflanzt und der Rebenbestand wuchs weit über 200.000 Hektar. In der UdSSR entwickelte sich Moldawien mit rund einem Viertel der Produktion zum größten Weinproduzenten. In den 1980er-Jahren wurden aber unter Michail Gorbatschow besonders im Norden wieder viele Weingärten gerodet.

Von der uralten Weinbautradition bezeugen zahlreiche Legenden und Anekdoten. Zu den bekanntesten Geschichten zählt jene von den Störchen: Wieder einmal gab es eine türkische Invasion; der Feind belagerte eine Festung bei Grodieshti. Den tapferen Verteidigern gingen Wasservorräte und Speisen aus, außerdem ging auch die Kraft der Kämpfer langsam zur Neige. Plötzlich erschienen hunderte von Störchen am Himmel, die mit Hilfe des Windes und ihrer starken Flügelschläge den Feind zu Boden trieben. Die Störche warfen Bündel von Reben aus ihren Schnäbeln zu den Verteidigern hinunter. Die Krieger waren damit vor Durst und Hunger gerettet. Mit neuer Kraft verteidigte man erfolgreich die heimische Festung, und der türkische Feind musste abziehen. Seit dieser Zeit gilt der Storch als ein Symbol für Glücklichsein und Zufriedenheit. Der Storch mit Trauben symbolisiert den moldauischen Weinbau und ist im Logo des Weinbauverbandes enthalten (Quelle: WIKIPEDIA).

Im Jahre 2012 umfasste die Rebfläche insgesamt 142.000 Hektar, von der 1,47 Millionen Hektoliter Wein produziert wurden (siehe dazu auch unter Wein-Produktionsmengen). Mehr als die Hälfte wird für den Anbau von Tafeltrauben genutzt. Weinbau hat eine eminente wirtschaftliche Bedeutung. Weinprodukte, Obst und Gemüse sind die Hauptexportartikel. Zu rund 70% werden europäische Standardsorten kultiviert. Zu zwei Dritteln werden Weißwein- zu einem Drittel Rotweinsorten angebaut. Der Rebsortenspiegel 2010 (Statistik Kym Anderson):

Rebsorte Farbe Synonyme bzw. moldawischer Name Hektar
Aligoté weiß Mahranauli 15.790
Rkatsiteli weiß - 11.508
Isabella rot - 11.401
Sauvignon Blanc weiß Sotern Marunt, Verdo Belîi 8.151
Merlot rot - 8.123
Cabernet Sauvignon rot - 7.590
Pinot Noir rot Cerna, Pino Fran, Pino Ceren 6.521
Chardonnay weiß Wais Edler, Waiser Clevner 5.134
Fetească Albă weiß Fetișoară, Păsărească Albă, Poamă Fetei Albă 4.334
Gewürztraminer / Traminer weiß Traminer Musqué, Traminer Rose 2.731
Pinot Gris weiß Râjik 2.042
Muskat-Ottonel weiß - 1.520
Riesling weiß Rislinoc 1.343
Bastardo Magarachsky rot - 1.040
Saperavi rot - 716
Sukholimansky Bely weiß - 599
Pinot Blanc weiß Burgunder Veisser, Pino Belîi 350
Müller-Thurgau weiß - 173
Muscat Blanc / Muskateller weiß - 172
Silvaner weiß Salfin 98
Băbească Neagră rot Poamă Rara Neagră, Rastriopa 80
Noah weiß - 71
Pervomaisky rot - 64
Gamay Teinturier Fréaux rot - 55
Golubok rot Goluboc 50
Viorika weiß Viorica 40
Cot rot Cagors, Nuar de Presac 39
Saperavi Severny rot Saperavi Severnii 25
Muscat de Yaloven weiß Muscat de Ialoveni 20
Negru de Yaloven rot Negru de Ialoveni 15
Bianca weiß - 15
Gamay Teinturier de Bouze rot - 10
Codrinski rot - 5
Ilichevskii Rannii rot - 5
Onitskanskii Belyi weiß - 5
Droujba weiß - 3
Alb de Yaloven weiß Alb de Ialoveni 2
Rubin Tairovsky rot - 2
Riton weiß - 2
Doina rot - ?
Fetească Neagră rot Coada Răndunicii, Păsărească Neagră ?
Kodryanka rot Codreanca, Kodrianka ?

Die geographischen und klimatischen Gegebenheiten sind für Weinbau sehr günstig. Moldawien liegt auf demselben Breitengrad wie das französische Burgund. Es herrscht kontinentales Klima mit hoher Sonneneinstrahlung vor. Im Jahre 1954 hat ein Professor P. I. Ivanov nach umfangreichen Studien Moldawien in vier agrarkulturelle Zonen mit unterschiedlichem Klima eingeteilt. In der nördlichen Region Balti werden vor allem Weißweintrauben für die Produktion von Weinbrand, gespriteten Weinen und einfachen Weinen produziert. Die im Zentrum liegende Region Codru mit der Hauptstadt Chisinau ist von bewaldeten Bergen umgeben. Hier befinden sich mehr als die Hälfte der Rebflächen und die bekanntesten Kellereien wie das ehemalige Zarengut Romanesti.

In den berühmten 65 Kilometer langen unterirdischen Kellergewölben der Stadt Cricova lagern die in der gleichnamigen Kellerei produzierten Schaumweine sowie eine umfangreiche historische Weinsammlung. In dieser Region werden unter anderem ausgezeichnete Rotweine gekeltert. Die im Süden liegende Region Cahul ist klimatisch besonders für Rotweine und Süßweine geeignet. Im Südosten des Landes liegt entlang des westlichen Nister-Ufers die vierte Region Purcari (auch Nistreana). Sie ist bekannt für ihre alterungsfähigen Rotweine im Bordeauxstil wie zum Beispiel der von der gleichnamigen Kellerei produzierte „Negru de Purcari“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Purcari-Weine unter anderem an den englischen Königshof geliefert.

Im Gegensatz zu den anderen ehemaligen UdSSR-Staaten ist der Anteil an trocken oder halbtrocken ausgebauten Weinen relativ hoch, jedoch gibt es auch die traditionellen süßen Dessert-Weine. Eine zweihundertjährige Tradition hat der berühmte portweinähnliche Kagor. Knapp zwei Drittel der Produktion stammt von genossenschaftlichen Kellereien. Bekannte Produzenten in Moldawien sind zum Beispiel Acorex, Aroma, Branesti, Château Vartel, Ciumai, Comrat, Cricova, Dionysos Mereni, Milestii Mici, Purcari, Romanesti, Taraclia und Trifesti. Rund 90% der Weinproduktion geht in den Export; mit über 80% zum weitaus größten Teil nach Russland. Im März 2006 setzte die russische Regierung ein Importverbot für moldawische und georgische Weinprodukte in Kraft. Das Verbot erfolgte nach offizieller Lesart wegen angeblichen Verstößen gegen die Gesundheitsvorschriften (zu hohe Schadstoffbelastungen). Das Embargo wurde im November 2007 aufgehoben. Der hohe Exportanteil von 80% nach Russland ist aber nachhaltig sehr stark reduziert worden.

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