Rheingau

   Rheingau

Das deutsche Anbaugebiet umfasst 3.062 Hektar Rebfläche. Die Weinberge liegen beginnend am Untermain östlich von Wiesbaden und erstrecken rund 50 Kilometer entlang des rechten Rheinufers bis Lorch nördlich von Rüdesheim. Der breite Fluss bewirkt einen gleichmäßigen Temperaturverlauf und verstärkt wie ein Spiegel das Sonnenlicht. Außerdem fördert er durch im Herbst aufsteigende Nebel die Edelfäule. Kaiser Karl der Große (742-814) ließ in der Nähe des heutigen Schlosses Johannisberg angeblich den ersten Weingarten anlegen. Außerdem soll hier auch die Spätlese „erfunden“ worden sein, was durch die Geschichte vom Spätlesereiter bekundet wird. Besonders im Rheingau haben die katholischen Orden der Benediktiner und der Zisterzienser außerordentlich viel für den Weinbau geleistet und diese besaßen auch umfangreiche Besitzungen an Weinbergen.

Auf den heute noch existierenden Cabinet-Keller des berühmten Zisterzienser-Klosters Eberbach geht die Qualitäts-Bezeichnung Kabinett zurück. Von diesem Kloster ging auch das Bestreben aus, die roten Rebsorten vor allem durch den Riesling zu ersetzen. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Sorte stammt aus 1435 in Rüsselheim. Der VDP-Rheingau veranstaltet hier jährlich eine Auktion zu wohltätigen Zwecken, sowie organisiert die Glorreichen Rheingau Tage. Der Ort Hochheim hat sich zum Synonym für deutsche Rheinweine entwickelt, aus dem Ortsnamen ist die in England übliche Bezeichnung Hock entstanden. In Geisenheim wurde im Jahre 1872 die für den deutschen Weinbau bedeutsame Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau gegründet. Im Rheingau existierte nach dem Ersten Weltkrieg drei Jahre lang ein kurioser Freistaat Flaschenhals.


Die Weinberge bestehen zum überwiegenden Teil aus sonnenreichen Südhanglagen. Die wunderschöne Weinstraße „Rheingauer Riesling-Route“ verläuft am rechten Ufer von Lorch bis Hochheim. Der Rheingau besteht (seit 1971) aus dem einzigen Bereich Johannisberg mit elf Großlagen und 123 Einzellagen. Quarz und Schieferböden in den höheren Lagen sowie Lehm-, Löss- und Tonböden im Tal sind ideale Basis für rassige und würzige Weißweine. Phyllitschiefer um Assmannshausen bietet aber auch optimale Voraussetzungen für Rotweine. Vom Gebirgszug Taunus gegen Winde gut geschützt, gibt es milde Winter und warme Sommer. Ab dem Jahrgang 1999 wurde die Bezeichnung Erstes Gewächs mit Weinen aus erstklassig klassifizierten Lagen eingeführt (siehe dazu unter VDP-Klassifikation). Viele der Einzellagen erstrecken sich über mehrere Gemeinden. Bei Namensgelichheit handelt es sich aber nicht immer um die selbe Lage. Die Weinbau-Gemeinden mit ihren Einzellagen:

Bekannte Produzenten sind Albus, Allendorf, Altenkirch, Baron Knyphausen, Barth Norbert, Bausch Hans, Becker Hans-Josef, Bibo & Runge, Bischöfliches Weingut Rüdesheim, Bott Michael, Breuer Georg, Breuer Stefan, Chat Sauvage, Daniel Holger, Diefenhardt’sches Weingut, Domdechant Werner’sches Weingut, Dr. Corvers-Kauter, Dr. Heinrich Nägler, Erbslöh, Eser August, Eser Christoph & Thomas, F.B. Schönleber, Flick Joachim, Freiherr Langwerth von Simmern, Freimuth Alexander, Fürst Löwenstein, Geheimrat J. Wegeler Erben, George, Goziewski Jörn, Graf von Kanitz, Hans Lang - Urban Kaufmann, Hessische Staatsweingüter, Himmel Emmerich, Hirschmann Christoph, H. J. Ernst, Johanninger, Johannishof Eser, Jung Jakob, Kesseler, König Robert, Krone, Kühn Peter Jakob, Künstler Gunter, Lamm-Jung, Laquai Paul, Leitz Johannes, G.H. von Mumm, Nikolai Heinz, Oetinger, Prinz Fred, Prinz von Hessen, Querbach, Ress Balthasar, Rothenbach Fritz, Rotkäppchen-Mumm, Rüdesheimer Sektkellerei Ohlig, Schloss Johannisberg, Schloss Reinhartshausen, Schloss Schönborn, Schloss Vollrads, Solter, Spreitzer Andreas & Bernd, Strieth Thilo, Toni Jost Hahnenhof, Trenz Michael, Vaux, Weil Robert, Wilhelm Mohr Erben.

Der Rebsortenspiegel hat sich in den letzten zehn Jahren im Gegensatz zu den anderen deutschen Anbaugebieten kaum geändert. Die zwei dominierenden Rebsorten sind der Riesling mit knapp 80% und der Spätburgunder mit 12%. Alle anderen Sorten machen die restlichen 8% aus. Der Stand 2009 (0 = kleiner als 0,5 ha, ? = Zahlenwert unbekannt oder aus statistisch-rechtlichen Gründen geheimzuhalten):

Rebsorte
dt. Hauptname
In Deutschland
gebräuchliche Synonyme
Farbe Hektar
2009
%-
Ant
Riesling Weißer Riesling, Rheinriesling weiß 2.420 79,1
Spätburgunder
inklusive Samtrot
Pinot Noir, Blauer S., Blauburgunder rot 368 12,0
Müller-Thurgau Rivaner, Riesling-Sylvaner weiß 47 1,5
Weißer Burgunder Pinot Blanc, Weißburgunder weiß 20 0,7
Dornfelder - rot 18 0,6
Kerner - weiß 16 0,5
Dunkelfelder - rot 12 0,4
Chardonnay - weiß 11 0,4
Ehrenfelser - weiß 10 0,3
Blauer Silvaner Silvaner weiß 9 0,3
Frühburgunder Blauer Frühburgunder, Clevner rot 7 0,2
Portugieser Blauer Portugieser rot 7 0,2
Sauvignon Blanc Muskat-Silvaner weiß 7 0,2
Dakapo - rot 6 0,2
Rotberger - rot 6 0,2
Merlot - rot 4 0,1
Cabernet Sauvignon - rot 3 0,1
Reichensteiner - weiß 3 0,1
Cabernet Mitos - rot 2 0,1
Scheurebe Sämling 88 weiß 2 0,1
Albalonga - weiß 1 -
Auxerrois Kleiner Heunisch weiß 1 -
Bacchus - weiß 1 -
Domina - rot 1 -
Ehrenbreitsteiner - weiß 1 -
Roter Elbling Elbling, Kleinberger weiß 1 -
Johanniter - weiß 1 -
Rieslaner - weiß 1 -
Acolon - rot 0 -
Cabernet Dorio - rot 0 -
Cabernet Dorsa - rot 0 -
Deckrot - rot 0 -
Huxelrebe - weiß 0 -
Malvasier Frühroter Veltliner, Früher Roter weiß 0 -
Optima Optima 113 weiß 0 -
Osteiner - weiß 0 -
Phoenix - weiß 0 -
Schönburger - weiß 0 -
Syrah Shiraz weiß 0 -
Färbertraube Teinturier du Cher rot ? -
Hegel - rot ? -
Heroldrebe - rot ? -
Rondo - rot ? -
sonst. weiße Sorten - weiß 59 1,9
sonst. rote Sorten   rot 16 0,5
WEISSE SORTEN     2.610 85,2
ROTE SORTEN     452 14,8
GESAMT     3.062 100

 

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