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Frankreich

Saint-Emillion AOC

Saint-Emillion AOC

Saint-Emillion AOC - Beschreibung

Der berühmte französische Weinbaubereich liegt im Osten der Region Bordeaux und bildet mit Pomerol das Kerngebiet des sogenannten Rive droite (rechtes Ufer) des Mündungstrichters Gironde und der Dordogne. Er ist nach der kleinen Stadt mit etwa 2.000 Einwohnern benannt, die an den Hängen eines Hügels über dem Tal der Dordogne liegt. Sie trägt ihren Namen nach dem Heiligen Benediktiner-Mönch Émilion (Aemilianus). Dieser lebte hier nach der Legende im 7. Jahrhundert im Wald von Combes in einer Höhle, die sich heute auf dem Grundstück des Château Laniote befindet. Saint-Émilion ist auch eine Station auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Es ist eines der ältesten Weinbaugebiete Frankreichs, denn die Römer pflanzten hier die ersten Reben.

Karte von Bordeaux mit Appellationen - u. a. auch Saint-Émilion
Von Domenico-de-ga aus der Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link
Veränderungen durch Norbert Tischelmayer 2017

Rebflächen, Klima und Rebsorten

Im Jahre 1999 wurde Saint-Émilion als erster Weinbaubereich der Welt von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Die Weinberge umfassen rund 5.500 Hektar Rebfläche, die von über 1.000 Weinbauern bewirtschaftet werden. Das zehn mal fünf Kilometer große Gebiet umfasst neben Saint-Émilion die Gemeinden Saint-Christophe-des-Bardes, Saint-Hippolyte, Saint-Étienne-de-Lisse, Saint-Laurent-des-Combes, Saint-Pey-d’Armens, Saint-Sulpice-de-Faleyrens, Vignonet und zum Teil Libourne. Die durch den kleinen Wasserlauf Barbanne abgetrennten vier Gemeinden Lussac, Montagne, Puisseguin und Saint-Georges sind selbständige Appellationen, die am Etikett den Ortsnamen mit Zusatz Saint-Émilion angeben dürfen.

Das Klima ist kontinentaler und nicht so maritim geprägt wie im westlich liegenden Médoc und weist größere Temperatur-Schwankungen auf. Die Weingärten liegen zwischen 25 und 100 Meter Seehöhe. Das Gebiet ist von einer Vielfalt von Bodentypen geprägt, oft sogar auch innerhalb der einzelnen Châteaux. Man unterteilt grob in die vier Zonen Plateau (Kalkstein-Formationen mit Tonkalk oder sandigem Ton), Côtes (ähnlich, aber andere Hangneigung und Ausrichtung), Graves (Kies und grober Schotter) und Sables (Schwemmland-Schotter). Diese Böden erbringen auch unterschiedlichste Weintypen.

Zum Großteil werden Rotweine produziert, nur diese haben den Appellations-Status. Die vollmundigen und körperreichen Gewächse mit seidiger Textur werden aus der dominierenden Sorte Merlot, die hier rund 60% der Rebfläche belegt, sowie Cabernet Franc (hier Bouchet) mit Anteilen von Cabernet Sauvignon, Cot (hier Malbec, Pressac) und Carmenère (auch Carbouet) produziert; den typischen Rebsorten des Rive droite. Lange Maischestandzeiten und Barrique-Ausbau in zumeist neuen Fässern aus französischer Eiche sind üblich. Sie sind sanfter, fruchtiger und weniger tanninbetont als jene aus dem Médoc.

Saint-Émilion Klassifizierung

Neben der AOC Saint-Émilion gibt es auch noch Saint-Émilion Grand Cru - Weine mit sensorisch geprüften Qualitätskriterien. Zwischen den beiden gibt es vier wesentliche Unterschiede. Der Ertrag ist auf 8.000 kg/ha bzw. 55 hl/ha (statt 9.000 kg/ha bzw. 65 hl/ha) begrenzt. Das Mostgewicht der Trauben (außer Merlot) muss zumindest 189 g/l Zucker (statt 180 g/l) betragen. Der Alkoholgehalt ist mit zumindest 11,5% vol (statt 11% vol) vorgeschrieben. Der Wein muss vor der Vermarktung zumindest 14 Monate lagern. Für die Grands Crus müssen sich die Weine vor der Flaschenabfüllung einer zweiten anspruchsvolleren Prüfung unterziehen. Beurteilt wird die Qualität der letzten zehn Jahrgänge, Reputation des Weines, erzielter Marktpreis und Qualität des Terroirs.

Die besten Grands Crus mit Zusatz „Classé“ genießen den Status klassifizierter Gewächse. Die Klassifizierung gilt ausschließlich für den Grand Vin (Erstwein) des Weingutes und kann auch nur für einen definierten Teil der Rebflächen gültig sein. Alle anderen Weine wie Zweitweine oder Weißweine müssen am Etikett als Hauptnamen eine andere Bezeichnung als der Erstwein anführen. So trägt zum Beispiel der Zweitwein vom Château Cheval Blanc den Namen „Petit Cheval Blanc“. In seltenen Fällen kann es auch bei einem Weingut zwei Erstweine mit jeweils anderem Namen geben (siehe z. B. bei Château Faugères).

Das Klassifikations-System ist nicht so starr wie jenes von Médoc und wird regelmäßig revidiert (siehe bezüglich der verwirrend unterschiedlichen Klassifizierungen in Frankreich unter Grand Cru). Im Gegensatz zum Médoc dürfen die Lagen (d. h. die Grenzen der Rebflächen) der in die Klassifikation einbezogenen Weine nicht frei verändert werden. Diese Bestimmung hat auch schon bei Zusammenlegungen von verschieden eingestuften Weingütern zu Deklassierungen geführt (Beispiel Château Beau-Séjour-Bécot). Die erste Klassifizierung erfolgte 1955, die weiteren waren dann 1969, 1985, 1996, 2006 und zuletzt 2012. Die Gesamtanzahl der klassifizierten Weingüter ist mit maximal 90 begrenzt. Im Jahre 1986 waren es 85 gewesen, im Jahre 1996 gab es eine Reduzierung auf 68, im Jahre 2006 auf nur mehr 60 und im Jahre 2012 wieder eine große Steigerung auf 82.

Nach der Klassifikation 2006 kam es aber zu Protesten durch herabgestufte Weingüter. Die vier deklassierten Château Cadet-Bon, Château Guadet, Château La Marzelle und Château La Tour-du-Pin-Figeac brachten einen Protest bzw. die Anfechtung des Ergebnisses beim Verwaltungsgericht in Bordeaux ein (außer dem Château La Tour-du-Pin-Figeac wurden übrigens die anderen drei 2012 wieder klassifiziert). Nach Prüfung des Tatbestandes stellte das Gericht fest, dass es grob fehlerhaft war, zunächst die Weine bereits klassifizierter Weingüter und dann separat die anderen zu verkosten. Alle hätten gemeinsam verkostet werden müssen. In der Folge gab es ein äußerst verwirrendes hin und her. Zuerst wurde die Klassifikation 2006 außer und jene von 1996 in Kraft gesetzt, dies wieder verworfen und neuerlich die 2006 erfolgte Hochstufung von acht Châteaux bestätigt, dies wiederum verworfen und schließlich am 13. Mai 2009 eine „endgültige“ Entscheidung getroffen. Das bedeutete, dass nun wieder die Klassifikation 1996 gültig war. In einer Fußnote wurde aber bemerkt, dass die 2006 hochgestuften acht Chateaux (6 Grand Cru Classé und 2 Premier Grand Cru Classé B) ihren neuen Rang behalten dürfen.

Die Klassifizierung im Jahre 2012 erfolgte unter Aufsicht der INAO durch eine Jury mit sieben professionellen Degustatoren. Um die Unabhängigkeit zu gewährleisten, waren keine Mitglieder vom Saint-Émilion-Syndicat oder des Bordeaux-Weinhandels darunter, sondern Fachleute aus Burgund, Champagne, Loire, Provence und Rhône. Die Weinbewertung erfolgte mittels Blindverkostung mit einem 20-Punkte-System. Für die Grand Cru Classé waren zumindest 14, für die Premier Grand Cru Classé zumindest 16 Punkte erforderlich. Es gab einen Anstieg von 60 auf 82 Betriebe, was auf verbesserte Standards in der Weinbereitung und größere Konsistenz der Bewertung zurückgeführt wird. Der durch die vielen Deklassierungen im Jahre 2006 hervorgerufene Schock hat sichtlich zu großen Anstrengungen motiviert. Es gab mit dem Château Corbin-Michotte nur eine Deklassierung. Diese Klassifizierung wird nun wohl für die nächsten 10 Jahre (bis 2022) gültig sein.

Die oberste Premier Grand Cru Classé teilt sich in zwei Gruppen, A für die absoluten Spitzen-Châteaux, die von der Qualität den Premier-Cru-Classé-Châteaux des Médoc gleichgesetzt werden können (hier gab es bis zum Jahre 2012 mit den beiden Weingütern Château Ausone und Château Cheval Blanc keine Änderung) sowie B für die übrigen Châteaux. Dann folgt die Grand Cru Classé, bei denen es bei den bisherigen Wertungen jedesmal Änderungen gab (Deklassierungen und/oder Neuklassierungen). Die unterste Klasse bildet Grand Cru (ohne Classé), die aber im Gegensatz zu den anderen Klassen keine länger gültige Klassifizierung darstellt (siehe dazu ganz unten). Die klassifizierten Weingüter (h = hochgestuft, n = neu, w = nach Deklassierung wieder klassifiziert):

Premier Grand Cru Classé A (4):

Premier Grand Cru Classé  B (14):

Grand Cru Classé (64):

Grand Cru

Eigentlich ist diese unterste Stufe keine Klassifizierung (denn diese Weingüter wurden ja eben „nicht klassifiziert“), sondern eine Zusatzbezeichnung für die einfache Appellation Saint-Émilion. Im Jahre 2012 erhielten über 200 Produzenten diese Einstufung. Von einzelnen Betrieben werden selbstverständlich auch exzellente Weine produziert. Paradebeispiele sind unter anderem Château Patris, Château Tertre-Rôteboeuf und vor dem großen Sprung von „Grand Cru“ auf „Premier Grand Cru Classé B“ im Jahre 2012 auch Château Valandraud.

Im Weinführer finden Sie
aktuell 125 328 Weine und 22 939 Erzeuger, davon 1 262 klassifizierte Erzeuger.
Bewertungssystem Über den Weinführer Bezugsquellenangabe Verkostungsmuster

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