Spanien

19 Anbaugebiete

Der Weinanbau in Spanien hat eine lange und uralte Tradition, bereits 3000 Jahre v. Chr. wurden Reben kultiviert. Die Phöniker gründeten um 1100 v. Chr. die Stadt Gadir (das heutige Cádiz) und betrieben regen Handel mit Wein im Mittelmeerraum. Die erste Blütezeit gab es 200 v. Chr., denn die Römer liebten den Wein aus Baetica (Andalusien). Die Entwicklung wurde durch den Einfall der Mauren im Jahre 711 gestoppt. Aus religiösen Gründen rodeten die Moslems große Teile der Weinberge oder erlaubten nur die Produktion von Rosinen. Sie brachten die Kunst der Destillation mit, was aber nicht für alkoholische Getränke, sondern ätherischer Öle, als Riech- und Duftstoffe, genutzt wurde. Erst nach 700 Jahren gelang den Christen die Rückeroberung und mit dem Vordringen nach Süden legten sie neue Weinberge an. Wie in vielen anderen Ländern waren es zumeist Mönche, die in der Nähe ihrer Klöster Reben zur Bereitung von Messwein pflanzten. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der Weinbau zu einem wichtigen Wirtschafts- und Exportzweig. Ab Anfang des 16. Jahrhunderts brachten die Konquistadoren riesige Mengen an Wein in das neuentdeckte Amerika. Die Spanier pflanzten dort in vielen Gebieten europäische Rebstöcke an und initiierten damit den Weinbau auf diesem Kontinent vor allem in Mittel- und Südamerika. Sie leisteten damit einen bedeutenden Beitrag in vielen Ländern der Neuen Welt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel die Reblaus auch in Spanien ein und zerstörte die meisten Rebflächen. Aber Rioja blieb vorerst verschont und als der Schädling Anfang des 20. Jahrhunderts auch dieses Gebiet erreichte, waren schon die meisten Weingärten mit veredelten Rebstöcken bepflanzt. Die Franzosen konnten durch die von der Reblaus zerstörten Weingärten die Nachfrage nach Wein im eigenen Land nicht mehr decken. Zuerst kauften französische Händler große Mengen Wein in Spanien, später wanderten viele französische Winzer nach Spanien aus und betrieben Weinbau. Ihre ausgefeilte Kellertechnik prägte den Weinbau nachhaltig bis heute.

Anfang der 1930er-Jahre gab es politische Unruhen. Diese mündeten schließlich in den spanischen Bürgerkrieg und endeten im Jahre 1939 mit dem Sieg der Nationalisten unter General Franco. In dieser Zeit wurden in großem Ausmaß Rebflächen und viele Kellereien zerstört. Nach der Öffnung der Grenzen und dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahre 1986 gab es im spanischen Weinbau einen Neubeginn. Ab den 1960er-Jahren begann ein großer Boom mit den urtypisch spanischen Weinen Rioja und Sherry. Heute ist Spanien eines der dynamischsten Weinländer der Welt. Im Jahre 2012 umfasste die Rebfläche 1,017 Millionen Hektar, von der 31,1 Millionen Hektoliter Wein produziert wurden. Damit liegt Spanien weltweit im absoluten Spitzenfeld und rittert mit Italien und Frankreich ständig um den ersten Platz (siehe dazu auch unter Wein-Produktionsmengen).

Spanien ist (nach der Schweiz und Albanien) eines der gebirgigsten Länder Europas. Das Land wird von großen Flussadern durchzogen, die Wasser für die Weingärten liefern. Dies sind Ebro und Duero im Norden, der Tajo (Tagus) im Westen, der Guadiana im Süden sowie Júcar und Turia im Osten. Spanien gliedert sich in drei Klimazonen. Im „grünen Spanien“ im Norden mit Aragonien, Asturien, Baskenland, Galicien, Kantabrien, Katalonien, Navarra und La Rioja gibt es eine hohe Niederschlags-Menge mit heißen Sommern und kalten Wintern. Im Zentrum liegt das ausgedehnte Zentralplateau Meseta (Tafelland) mit den Regionen Extremadura und La Mancha. Es ist durch extrem heiße Sommer, sehr kalte Winter und geringen Niederschlag geprägt. Die dritte Zone ist der Küstenstrich mit dem südlichen Katalonien, der Levante und Andalusien. Hier lindern Meeresbrisen die heißen Sommer, aber es gibt ebenfalls wenig Regen. Von den über 600 Rebsorten werden viele autochthone nur lokal verwendet. Der Rebsortenspiegel 2010 (Statistik Kym Anderson):

Rebsorte

Farbe

Synonyme bzw. spanischer Name

Hektar

Airén weiß Burra Blanca, Colgadera 252.364
Tempranillo rot Cencibel, Chinchillana, Tinto del País 207.677
Bobal rot Moravio, Tinta Madrid 80.120
Garnacha Tinta rot Grenache Noir, Cannonau 70.140
Monastrell rot Mataro, Mourvèdre 58.406
Cayetana Blanca weiß Jaén Blanco, Pardina 39.593
Macabeo weiß Viura 38.417
Cabernet Sauvignon rot - 23.237
Syrah rot Shiraz 20.000
Alicante Henri Bouschet rot Garnacha Tintorera 19.551
Palomino weiß Palomino Fino, Listán Blanco 18.836
Verdejo weiß Albillo de Nava 16.578
Merlot rot - 15.540
Pedro Ximénez weiß Pedro Ximenes, Pero Ximén, PX 9.036
Parellada weiß Montañesa, Montona, Perrelada 8.847
Xarello weiß Pansal, Premsal, Xarel•Lo 8.393
Muscat d’Alexandrie weiß Moscatel de Alejandría, Moscatel Gordo 8.237
Mencía rot Jaén du Dão, Loureiro Tinto 8.204
Tinto Velasco rot Tinto de la Pámpana Blanca 7.829
Chardonnay weiß - 6.958
Chelva weiß Chelva de Cebreros, Mantúo, Uva Rey 6.168
Mazuelo rot Cariñena, Samsó, Carignan 4.749
Prieto Picudo rot Prieto Picudo Tinto 4.587
Pardillo weiß Blanca Pequene, Marisancho, Pardilla 4.364
Zalema weiß Del Pipajo, Perruna, Zalemo 4.097
Sauvignon Blanc weiß - 4.011
Merseguera weiß Esquitxagos, Marisancho 3.946
Alvarinho weiß Albariño 3.507
Beba weiß Beba de los Santos, Blanca de Mesa 3.036
Listán Negro rot Almuñeco, Listán Morado, Negra Común 2.666
Carignan Blanc weiß Cariñena Blanca, Carinyena Blanca, Samsó Blanco 2.650
Marufo rot Brujidera, Crujideiro, Moravia Dulce 2.571
Graciano rot Monastrell Menudo, Moristell, Tintilla de Rota 2.281
Garnacha Blanca weiß Grenache Blanc 2.263
Verdoncho weiß - 2.124
Rojal Tinta rot Rojal 1.801
Alarije weiß Acería, Alarije Verdoso, Arin 1.726
Petit Verdot rot - 1.661
Juan García rot Malvasía Negra, Mouratón, Négron de Aldán 1.572
Perruno weiß Casta de Montúo, Firmissima, Getibi 1.509
Planta Nova weiß Tortozón 1.366
Trepat rot Bonicaire, Carlina, Trepat Negre 1.358
Albillo Mayor weiß Albilla, Pardina, Turruntes 1.312

Ein neues Klassifizierungs-System mit kontrollierter Ursprungs-Bezeichnung wurde im Jahre 1970 eingeführt, das sich am italienischen und französischen Weingesetz orientiert. Rund die Hälfte der Rebfläche hat bis dato DO-Status. Rund 70% der spanischen Produktion entfallen auf einfache Konsum- oder Tafelweine. Über der Qualitäts-Bezeichnung „Denominación de Origen“ steht der Name der DO (zum Beispiel Alicante, Ribera del Guadiana oder Tarragona), nur beim Schaumwein Cava und beim Sherry gibt es eine Ausnahme, da sprechen die Namen sozusagen für sich. Die Regionen mit ihren als DO, DOCa oder Vino de Pago klassifizierten Bereichen:

Andalusien

Aragonien

Balearen mit 2.200 ha

Baskenland

Extremadura

Galicien

Kanarische Inseln mit 9.000 ha

  • Abona
  • El Hierro
  • Gran Canaria
  • La Gomera
  • Lanzarote
  • La Palma
  • Monte Lentiscal
  • Tacoronte-Acentejo
  • Valle de Güìmar
  • Valle da la Orotava
  • Ycoden-Daute-Isora

Kantabrien

  • Costa de Cantabria (IPR)
  • Líebana (IPR)

Kastilien-León

Katalonien

La Mancha mit 200.000 ha

Levante

Navarra mit 17.300 ha

Rioja (DOCa, 3 Sub-Bereiche) mit 62.000 ha

Vinos de Madrid (3 Sub-DO’s) mit 11.800 ha

Zentralorgan für alle Qualitätsweine ist das INDO (Instituto Nacional de Denominaciónes de Origen), wobei für jedes DO-Gebiet eine eigene Aufsichtsbehörde, die „Consejo Regulador“ zuständig ist. In dieser sitzen Winzer, Produzenten, Händler und des Landwirtschafts-Ministeriums, sowie Biochemiker. Diese Behörde definiert mit dem „Reglamento“ die zugelassenen Rebsorten, die erlaubten Unterlagen, den Ertrag in Hektoliter per Hektar, die Bestockungs-Dichte, den Rebschnitt und die Herstellungs-Methoden (Reifetechnik, Alkoholgehalt, Restzucker, Trockenextrakt-Werte). Die Behörde entscheidet auch über Neuanpflanzungen. Erst nach organoleptischer Prüfung der Weine durch einen Ausschuss des Consejo wird das Etikett freigegeben.

Weinkategorien: Im August 2009 wurde für alle Mitgliedsländer die EU-Weinmarktordnung mit grundlegenden Änderungen der Weinbezeichnungen und Qualitätsstufen gültig. Es gibt folgende neue Bezeichnungen bzw. Qualitätsstufen (siehe dazu auch detailliert unter Qualitätssystem):

  • Vino (früher Vino de Mesa bzw. Tafelwein) = Wein
  • IGP ( früher VdlT) = Landwein
  • DOP = oder die alternativ möglichen alten Bezeichnungen DO, DOCa, VCIG, VdP = Qualitätswein

IGP (Indicación Geográfica Protegida): Es gibt 41 IGP-Bereiche.

DOP (Denominación de Origen Protegida): Bei den Qualitätsweinen gibt es innerhalb der Bezeichnung DOP fünf verschiedene Kategorien, die als traditionelle Bezeichnungen weiterverwendet werden dürfen:

VCIG (Vino de Calidad con Indicación Geográfica): Dabei handelt es sich um Qualitätsweine mit geographischer Herkunft mit regionaler Charakteristik bezüglich Rebsorten und Weinbereitung (früher war dies sozusagen eine Stufe zwischen Landwein und Qualitätswein bzw. eine DO-Vorstufe). Es gibt sieben solcher Bereiche.

DO (Denominación de Origen): Es gibt 67 DO-Bereiche

DOCa (Denominación de Origen Calificada): Diese Stufe wurde 1988 eingeführt (und entspricht von der Zielsetzung in etwa dem DOCG in Italien). Sie wird nur an Weine aus herausragenden Bereichen vergeben, deren Produktion besonders sorgfältig kontrolliert wird. Erst zwei Bereiche wurden bisher klassifiziert, nämlich Rioja im Jahre 1991 und Priorato im Jahre 2001. Als nächster Kandidat wird Ribera del Duero genannt.

Vino de Pago (DO) oder Vino de Pago Calificado (DOCa): Diese Bezeichnung wurde im Jahre 2003 für Weinberge bzw. Rebflächen mit besonderem Charakter eingeführt. Sie können innerhalb eines DO- bzw. DOCa-Bereiches, aber auch außerhalb davon liegen. Zumeist sind sie in Besitz eines einzelnen Weingutes. Eine genaue Beschreibung sowie eine komplette Aufstellung der 17 klassifizierten Bereiche ist unter Vino de Pago enthalten.

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl traditioneller Bezeichnungen im Zusammenhang mit der Weinbereitung bzw. Qualität. Die wichtigsten davon sind:

Reifegrad: Traditionellerweise werden spanische Weine erst bei Trinkreife vermarktet. Je Weintyp gibt es Vorgaben für die Reifezeit in Fass und/oder Flasche. Von Spitzenproduzenten werden diese Fristen häufig weit überschritten. Die Weiß- und Roséweine müssen jeweils nur sechs Monate im Fass reifen und dürfen jeweils ein Jahr früher in den Handel kommen; Reservas oder Gran Reservas gibt es kaum. Für die Rotweine gibt es folgende Bezeichnungen:

Joven: Jungwein, der bereits im Jahr nach der Weinlese verkauft wird und nur kurz (maximal sechs Monate) oder überhaupt nicht im Fass gereift ist. Diese sind für sofortigen Verbrauch bestimmt.

Crianza: Diese Weine müssen zumindest 24 Monate gereift sein, davon sechs Monate im Fass und 18 Monate in der Flasche.

Reserva: Diese Weine müssen zumindest 36 Monate gereift sein, davon zumindest 12 Monate im Fass und Rest in der Flasche. Ist DO- und DOCa-Weinen vorbehalten.

Gran Reserva: Diese Weine müssen zumindest 60 Monate gereift sein, davon zumindest 18 Monate (bis 2005 waren es 24) im Fass und dRest in der Flasche. Ist DO- und DOCa-Weinen vorbehalten.

Alterungs-Klassifikation: Unabhängig der Bestimmungen für Crianza, Reserva und Gran Reserva gibt es Bezeichnungen, die abhängig der Alterung und Ausbauart verwendet werden dürfen. Dies sind Añejo (24 Monate), Noble (18 Monate) und Viejo (36 Monate). Diese sind nicht unumstritten, da sie mit höherem Alter eines Weines diesem a priori eine „bessere Qualität“ attestieren.

Etikett: Enthalten sind unter anderem Süßigkeitsgrad (seco = trocken, semiseco = halbtrocken, abocado = halbsüß, dulce = süß) und Weinart (Clarete = hellroter Wein, Cava = Schaumwein, Tinto = dunkler Wein, Rosado = Roséwein, Generoso = Dessertwein).

Im Weinführer finden Sie
aktuell 116 466 Weine und 23 252 Erzeuger, davon 6 379 klassifizierte Erzeuger.

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